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#UNGESCHMINKT - AUF DEM WEG 14 | 3-2026

  • Writer: Barbara Schär
    Barbara Schär
  • 5 days ago
  • 2 min read

Bild: B.Schär privat


DAS GESCHENK DER GRENZE -

WAS PFERDE UNS ÜBER GESUNDEN ABSTAND LEHREN


Pferde sind Beziehung.

Und Pferde sind Grenze.

 

Sie lassen Nähe zu –

wenn sie sicher ist.

 

Sie schaffen Abstand –

wenn etwas nicht stimmt.

 

Nicht aus Trotz. Nicht aus Drama. Sondern aus Klarheit.

 

Nach dem letzten Beitrag über Präsenz bleibt für michdie Frage offen: Was passiert, wenn wir zwar da sind – aber innerlich trotzdem «drüber» sind?

Zu nah. Zu schnell. Zu viel.

 

Pferde zeigen das sofort.

Manchmal ganz fein: ein Schritt zur Seite. Ein Kopf weg. Ein Atem angehalten.

Manchmal deutlicher: Distanz. Spannung. Weggehen.

Wir Menschen nennen das dann gern:«Er ist schwierig.» «Sie verweigert.» «Der will nicht.» «Sie hat einen schlechten Tag.»

Pferde würden wohl nur sagen: «So nicht.»

 

Grenzen sind kein Nein zur Beziehung – sie sind ein Ja zur Sicherheit

Als Flucht- und Herdentiere ist Sicherheit ihre Währung.

Und Sicherheit entsteht nicht durch Worte, sondern durch Respekt im Raum.

 

Für Pferde ist Distanz nicht Abbruch.

Distanz ist Regulation.

Wenn ein Pferd mehr Raum braucht, ist das keine Kränkung.

Es ist Information.

 

Und je länger ich mit Pferden unterwegs bin, desto mehr spüre ich:

Auch wir Menschen brauchen diesen Raum – wir haben es nur verlernt, ihn sauber zu halten.

Wir übergehen Signale.

Wir drücken durch.

Wir erklären, statt zu spüren.

Wir sind «nett», statt klar.

Und dann wundern wir uns, wenn Beziehung kippt.

 

Die stille Kunst: klar sein, ohne hart zu werden

Pferde sind darin Meister.

Sie setzen Grenzen ohne Angriff. Sie drohen nicht. Sie diskutieren nicht.

Sie bleiben bei sich. Und genau dadurch bleibt die Beziehung möglich.

Das ist für mich eine der reifsten Formen von Stärke: Klarheit ohne Kälte.

 

Im Alltag wäre das zum Beispiel:

  • ein Nein, das nicht rechtfertigt

  • ein Stopp, das nicht beschämt

  • ein Abstand, der nicht bestraft

  • eine Grenze, die verbindet, statt trennt

 

Und ja: Das ist anspruchsvoll. Weil es uns aus den alten Mustern holt. Aus Gefallenwollen. Aus Kontrolle. Aus Angst vor Ablehnung.

 

Was Pferde dabei in uns entlarven – ohne Urteil

Grenzen sind für viele von uns nicht neutral.Sie sind emotional aufgeladen.

Für manche bedeutet Grenze: «Ich bin nicht willkommen.»

Für andere: «Ich verliere Einfluss.»

Für wieder andere: «Jetzt wird es gefährlich.»

Pferde machen daraus keine Geschichte. Sie reagieren einfach.

 

Und genau diese Schlichtheit ist ihr Geschenk:

Sie zeigen uns, wo wir uns selbst verlassen, um Nähe zu bekommen.

Oder wo wir Nähe erzwingen, um Unsicherheit nicht zu fühlen.

 

Vielleicht beginnt echte Beziehung genau hier

Nicht bei Harmonie. Sondern bei einem Raum, der stimmt.

Ein Raum, in dem ich mich zeigen darf – ungeschminkt. Und du auch.

Ein Raum, in dem Nähe nicht genommen, sondern gegeben wird.

Und in dem Abstand nicht als Ablehnung gilt, sondern als Intelligenz.

 

Pferde lehren uns: Grenzen sind kein Ende. Grenzen sind ein Anfang.

Ein Anfang von Respekt. Von Selbstführung. Von erwachsener Verbundenheit.

 

Und vielleicht ist das der nächste Schritt nach der Präsenz:

Nicht nur da sein.

Sondern stimmig im Raum sein.

 




 
 
 

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